Hannes
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Cali: Der letzte Feinschliff

von Hannes

… war das Motto des heutigen Tages, und zwar auf allen Ebenen.

Für die Spielerinnen und Spieler begann der heutige Tag sehr relaxed. Viele nutzen die Hotelanlage mit versteckten Winkeln zum Skypen in die Heimat, Quatschen oder zum Lesen eines Buches. Auch die ein oder andere Ausrüstung wurde nochmal für den Wettkampf präpariert. Die vermeintliche Ruhe wurde lediglich von einigen Herren im obersten Stock gestört, die dort ein kleines Fifa Fussball Turnier auf der PlayStation austrugen.

Entspannen in der Hotelanlage (Foto: T.Stanschus)

Entspannen in der Hotelanlage (Foto: T.Stanschus)

Während für die Damen der Tag trainingstechnisch aus einem intensiven Schwimmprogramm mit anschließendem Sonnenbad am Pool bestand, nahmen sich die Herren heute gleich zweimal die Österreicher zur Brust. Das besondere: bei dieser Begegnung treffen nicht nur zwei Brüder-Länder sondern tatsächlich auch zwei Trainer-Brüder aufeinander. Roland Wiesner auf Seite der deutschen Herren, und Uwe, ehemaliger Bundestrainer Deutschland, auf der Seite Österreichs.

Zwei Brüder im Duell. Roland und Uwe Wiesner (Foto: T.Stanschus)

Zwei Brüder im Duell. Roland und Uwe Wiesner (Foto: T.Stanschus)

Das erste Spiel wurde im Panamerika Bad, dem Bad der WM 1995, ausgetragen. In der zweiten Begegnung am Abend durften beide Teams dann endlich das offizielle Wettkampfbecken für ein Sparringsspiel nutzen. Beide Begegnungen dominierten die Deutschen souverän, so dass das einzige wirklich entscheidende Tor des Tages das von Jens Dingel beim 4:3 in der 119. Min. im Fifa Stockwerkfinale blieb. Trotzdem war es für beide Teams eine früchtetragende Trainingseinheit. Nicht nur das Spielen selbst, sondern viel mehr das Bewegen an der offiziellen Wettkampfstätte scheint allen Spielern ziemlich gut zu tun. „Wenns besser läuft, dann läufts auch besser“, beendete Mannschaftsführer Lukas Tadda die Trainingseinheit gegen Österreich. Morgen wollen sich die Teams noch einmal im Becken treffen.

Besprechung in der Halbzeit gegen Österreich (Foto: T.Stanschus)

Besprechung in der Halbzeit gegen Österreich (Foto: T.Stanschus)

Bemerkenswert war vor allem, wieviel Leben nun im Bad herrscht. Zu den kahlen Tribünen haben sich nun zahlreiche Fahnen, überdachte Wechselbänke und eine Videoleinwand – vergleichbar mit einer kleinen Übertragungsfläche beim Public-Viewing während einer Fussball-Weltmeisterschaft – gesellt. Auch zahlreiche Mannschaften tummelten sich in und abseits der Becken herum.

Wettkampfpool mit Wechselbank und Leinwand (Foto: T.Stanschus)

Wettkampfpool mit Wechselbank und Leinwand (Foto: T.Stanschus)

Aber nicht nur die deutschsprachigen Nationen nutzten den heutigen Tag für Trainingsspiele. Dänemark beispielsweise erspielte ein 4:1 gegen eine regionale, kolumbianische Vereinsmannschaft. Das Gegentor fiel durch einen Konter. Schlechter lief es bei den Boys aus der USA. Mit 9 Spielern, davon einige erst vor wenigen Stunden angereist, unterlagen sie deutlich mit 3:7 den Venezuelanern. Welche Prognosen man aus diesen Ergebnissen ziehen kann bleibt Spekulation, aber Venezuela scheint zumindest kein überraschender Titelkandidat zu sein.

Am heutigen Tag wurden auch die offiziellen Akkreditierungen verteilt und letzte Informationen zu den morgigen, offiziellen Meetings bekannt gegeben. Darüber hinaus erlebten wir live wie eine Gruppe Menschen mit diversen Schildern ziemlich offensichtlich die morgige Eröffnungszeremonie und den Ablauf übten. Deutschland wird als „ALEMANIA“ ganz vorne laufen.

Zum Schluss noch ein paar Anekdoten.

  • Die Damen nutzen die heutige Zeit nicht nur zum Sonnenbaden, sondern durften sich auch gleichzeitig an ein paar dänischen Herren erfreuen, die sich mehr oder weniger zufällig vor den Fenstern des Aufenthaltsraumes der Damen von ihren doch so lästigen Shirts entledigten. Die Bilder von dänischen Sixpacks werden derzeit hoch gehandelt ;)
  • Südafrika ist in diesem Jahr nicht, wie auf der WM 2011, mit 9 Spielern sondern mit ganzen 10 Spielern am Start. Mittlerweile gibt es auch für sie die Möglichkeit im Winter in einem richtigen UWR Pool zu trainieren. Einer der 10 Spieler ist dennoch gezwungen mindestens 1000km für eine gemeinsame Trainingseinheit auf sich zu nehmen. Die Südafrikaner sind übrigens eine Mischung aus Speerfischern und Unterwasserhockey Spielern die nun das Unterwasserrugby für sich entdeckt haben. Derzeit informieren sie sich über die Bedingungen und Abläufe die erfüllt sein müssen um eine WM in Südafrika ausrichten zu dürfen.
  • Als wir unser Training in der offiziellen Wettkampfstätte hatten, trainierten insgesamt 3 Mannschaften in zwei Pools, parallel noch andere Teams im 1km entfernten Panamerika Pool. So war es dann so, dass auch kein Ball mehr für die Herren übrig war. Glücklicherweise halfen die dänischen Damen den Herren mit einem Damenball aus, den sie selbst mitgebracht hatten. So konnten sich die Herren nochmals mit einem Torangriffspiel auf die Begegnung mit Österreich einstimmen.
  • Als ich auf der Suche nach einem Ball auf Kanada traf, war ich erstaunt, dass kaum einer der Mannschaft englisch gesprochen hatte. Nach USA ist nun auch Kanada das Team das überwiegend aus ehemaligen kolumbianischen Spielern besteht. Auch bei Kanada ist die Mannschaftssprache Spanisch. Eine Offizielle erzählte mir, dass ihrer Meinung nach der Großteil der Spieler auf dieser WM kolumbianische Wurzeln haben werden.
  • Österreich ist übrigens einer der Leittragenden des neuen Spielplans. Denn wo zuvor ein Gegner wie Venezuela oder Spanien auf die Österreicher wartete, muss nun entweder gegen Kolumbien/Norwegen oder Dänemark um die Spiele 6-9 gespielt werden.

Bericht von Torsten Stanschus (etwas überarbeitet von Hannes)

Hannes

2 Kommentare zu Cali: Der letzte Feinschliff

  1. niklas schreibt:

    Schöner Bericht, mehr davon!